Der Wetterauer Bundestagsabgeordnete Oswin Veith (CDU) informierte sich auf dem Hof der Familie Brauner über artgerechte Rinderhaltung, Weideschlachtung und Direktvermarktung.

Das Thema Tierwohl ist in aller Munde. Auf dem Merzehof ist es schon lange Programm. Wie das in der Praxis aussieht, interessierte den Wetterauer Bundestagsabgeordneten Oswin Veith, der in der parlamentarischen Sommerpause den ökologischen Rinderzucht- und Schlachtbetrieb von Martina und Matthias Brauner in Ranstadt-Dauernheim besuchte. Begleitet wurde er vom Vorsitzenden der CDU Ranstadt, Christian Loh, und dem CDU-Gemeindevertreter Wolfgang Fladerer.

Der Merzehof ist seit 19 Jahren als Bio-Betrieb zertifiziert, hat Ende 2017 die EU-Zulassung als erster reiner Bioschlachtbetrieb in der Wetterau erhalten und besitzt eine Weideschlachtgenehmigung, die nur bei Herden durchgeführt werden darf, die ganzjährig auf der Weide gehalten werden.

Zum Bestand des Merzehofs gehören insgesamt 235 Aubrac-, Limousin- und Gallowayrinder. Die Kälber werden auf dem Hof geboren, bleiben sechs bis acht Monate bei ihren Müttern und verbringen ihren ersten Winter im Stall, damit sie sich an den Umgang mit Menschen gewöhnen, bevor sie wieder auf die Weide kommen. In der kalten Jahreszeit bleiben die Herden auf der Winterweide, wo sie in Unterständen Schutz finden und täglich mit Futter und Wasser versorgt werden. Insgesamt bewirtschaftet Familie Brauner rund 150 Hektar Weideland sowie 70 Hektar Grünland für die Gewinnung von Futtermitteln in Bio-Qualität. Mit der Beweidung in den Naturschutzgebieten „Bingenheimer Ried“ und „Nachtweid“ leistet der Betrieb einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege. Zudem gehört eine Pferdepension zum Hof.

Der Aufbau ihrer Rinderzucht, mit dem sie Mitte der 90iger Jahre mit einer Kuh und einem Bullen begonnen habe, sei langwierig und schwierig gewesen, erzählte Martina Brauner ihren Besuchern. Weil ihr die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Weiderinder über deren gesamte Lebensspanne am Herzen liege, habe sie sich zusammen mit Ihrem Mann entschlossen, in ein hofeigenes Schlachthaus zu investieren und eine Genehmigung für die Weideschlachtung zu erhalten.

Diese Art der Schlachtung ermöglicht den Schlachtrindern einen stressfreien Tod ohne Trennung von der Herde, langen Transportweg und Aufenthalt im Schlachthof. Nach der Schlachtung mit Kugelschussbetäubung unter tierärztlicher Aufsicht wird der tote Tierkörper innerhalb der vorgeschriebenen 60 Minuten von der Weide zum EU-zugelassenen Schlachthaus gebracht und dort von einem Metzger zerlegt und im angeschlossenen Kühlhaus gelagert. Das vorbestellte Fleisch wird in Mischpaketen ab 5,5 Kilo direkt an die Kunden abgegeben. Erst wenn genügend Bestellungen vorliegen wird ein Rind geschlachtet. Im letzten Jahr waren es rund 30 Rinder.

Martina Brauner erzählte, dass sie sehr viel Zeit aufwenden müsse, um die Auflagen, Nachweispflichten und Kontrollen in ihrem Betrieb zu bewältigen. Derzeit bereite ihr die Kreisverwaltung bei der Fortführung der Weideschlachtung Probleme, obwohl alle Auflagen erfüllt würden.

Das könne er nicht nachvollziehen, sagte Veith. „Jeder Schlachtbetrieb, der in der Region Fleisch von Tieren aus der Region produziert, ist ein Gewinn für die Verbraucher in der Wetterau. Die Vermeidung von Tiertransporten über weite Strecken zum nächsten Schlachthof dient nicht nur dem Tierwohl, sondern auch der Umwelt. Die Weideschlachtung, die jeden Lebendtransport überflüssig macht, ist aus meiner Sicht besonders tiergerecht und verdient jede Unterstützung. Überhaupt halte ich es für wichtiger denn je, alles dafür zu tun, dass die in der Wetterau noch vorhandenen Landwirtschafts- und Schlachtbetriebe erhalten bleiben und eine gute Zukunft haben.“

Er hoffe deshalb, dass das auf Initiative von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor kurzem eingerichtete „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ das gesetzte Ziel erreiche, das Tierwohl unter Berücksichtigung des Umweltschutzes zu verbessern sowie die wirtschaftliche Grundlage der Landwirte und eine gute Versorgung der Verbraucher zu sichern.

Bildunterschrift:
Viel Auslauf hat die Aubrac-Rinderherde des Merzehofs auf ihrer Weide im Naturschutzgebiet „Nachtweid“ in Ranstadt-Dauernheim, wo sich der Wetterauer Bundestagsabgeordnete Oswin Veith kürzlich über artgerechte Rinderhaltung und Weideschlachtung informierte. Im Bild v. li.: Wolfgang Fladerer (CDU-Gemeindevertreter in Ranstadt), MdB Oswin Veith, Christian Lohn (Vorsitzender der CDU Ranstadt) und Hofbesitzerin Martina Brauner.

Bilder: Büro Oswin Veith, MdB

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