Liliana Jäger aus Rosbach, die der Wetterauer Bundestagsabgeordnete Oswin Veith im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms für ein Jahr als Juniorbotschafterin der Wetterau in die USA geschickt hat, berichtet über ihre ersten drei Monate in Erskine, Minnesota.

"Ich bin von meiner amerikanischen Gastfamilie gut aufgenommen worden. Erskine ist ein sehr kleiner Ort mit nur rund 400 Einwohnern. Minnesota liegt im Norden der USA an der Grenze zu Kanada und ist ein sehr kalter Staat. Üblicherweise liegt hier 6 Monate im Jahr Schnee, und zwar von Ende November bis Anfang/Mitte Mai. Den ersten Schnee gab es dieses Jahr schon im Oktober, und wir haben einen großen Schneemann gebaut. Leider ist der ganze Schnee aber dann auch schon wieder geschmolzen.

Manchmal gibt es hier sogenannte ‚Snowdays‘. Das bedeutet, dass alles so verschneit und vereist ist, dass man nicht in die Schule gehen kann. Dann fällt der Unterricht aber nicht einfach aus. Da wir in der Schule mit Laptops arbeiten und alle Unterrichtsmaterialien online haben, geben uns die Lehrer an diesen Schneetagen Aufgaben auf, die wir zuhause erledigen müssen. Bis jetzt ist dieser Fall noch nicht eingetreten, aber das werde noch kommen, haben mir meine Freunde erzählt.

Glücklicherweise war es für mich sehr einfach, hier neue Freunde zu finden, weil meine Schule ziemlich klein ist. In einem Jahrgang sind nicht mehr als 50 Schüler. Daher wussten alle, dass meine finnische Gastschwester Sani und ich kommen würden und haben uns sehr herzlich willkommen geheißen. Generell habe ich den Eindruck, dass die Menschen in den USA viel offener sind als in Deutschland und gerne mit ‚Fremden‘ sprechen.

In den USA gibt es an den meisten Schulen Trimester, was den Sport betrifft. Im Herbst spielen die Mädchen Volleyball und die Jungs Football, im Winter ist Basketball-Saison für alle und im Frühling können die Mädchen entweder Softball oder Golf spielen und die Jungs spielen Baseball. Das kann aber von Schule zu Schule variieren, je nachdem wie groß die Schule ist und wo man sich in den USA befindet. Natürlich gibt es auch Cheerleading.

Auch ich habe im Herbst Volleyball gespielt, und im Moment bin ich im Basketball-Team. Es macht unglaublich viel Spaß, weil man einfach nach dem Unterricht in der Schule bleibt, gemeinsam Sport macht und sich gegenseitig anfeuert. Ich finde, gerade durch Sport findet man sehr schnell viele Freunde, weil das hier in den USA ein ziemlich großes Ding ist.

Außer auf den Sport in der Schule freue ich mich auch aufs Skifahren. Wir waren auch schon einmal in einem Skigebiet und werden uns eine Saisonkarte kaufen, um jedes Wochenende auf die Piste zu gehen. Da ich in Deutschland nicht die Möglichkeit habe, Skifahren zu gehen, freue ich mich umso mehr, in einem Staat wie Minnesota gelandet zu sein.

Die USA haben aber natürlich noch viel mehr zu bieten. Halloween, Thanksgiving und Weihnachten werden hier ganz groß gefeiert. Schon vor dem 31. Oktober werden die Häuser dekoriert.

Wir waren auf einer Halloween Party, auf der alle gemeinsam gespielt und Rätsel gelöst haben. Natürlich alles in gruseliger Verkleidung. An Halloween selbst sind wir von Haus zu Haus gezogen, um Süßigkeiten zu sammeln. Dabei ist mir eine Sache aufgefallen, die es in Deutschland so nicht gibt: Abgesehen davon, dass die Häuser dekoriert sind, machen Amerikaner ihr Licht an, wenn sie Süßigkeiten haben, und lassen es aus, wenn sie damit nichts zu tun haben möchten. Dadurch steht man nicht vor Türen, die nicht geöffnet werden, und die Bewohner werden nicht durch das Klingeln genervt. Das finde ich ziemlich clever.

Sobald Halloween vorbei ist, ist jeder in Weihnachtsstimmung. Wir haben angefangen, unser Haus weihnachtlich zu dekorieren. Überall sind jetzt Lichterketten, obwohl unser Haus abseits vom Ort steht und niemand das jemals sehen wird - es sei denn, es kommt jemand zu Besuch.

Auch an Thanksgiving, das wir recht groß gefeiert haben, hatten wir eine weihnachtliche Dekoration. Wir haben sehr viel Essen vorbereitet. Traditionell gab es Truthahn und dazu unter anderem Süßkartoffeln mit Karamell und Marshmallows. Das war für mich neu. Wir saßen mit der ganzen Familie zusammen, was sehr schön war, da meine älteren Gastgeschwister im College und daher nicht so oft zu Hause sind.

Falls jemand mehr sehen und wissen will: Ich habe ein Account auf Instagram eingerichtet (@lilianajaeger), auf dem ich täglich versuche, Einblicke in mein Leben hier in den USA zu geben. Unter anderem werde ich jetzt eine Woche in Washington D.C. sein und dort mit Botschaftern sprechen. Darauf freue ich mich sehr."

Bildunterschrift:
Liliana Jäger (zweite von rechts) mit ihren Gasteltern, ihrer kleinen Gastschwester und ihrer finnischen Gastschwester Sani vor der Schule.

Bild: Liliana Jäger

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